Die Schweizer Landwirtschaft steckt derzeit in einer ökologischen Krise. Von den dreizehn Umweltzielen des Bundesrats wurde kein einziges erreicht. Weder wurde die Biodiversität verbessert, noch hat sich der Stickstoffanteil in den Böden reduziert. Giftige Pestizide belasten unser Grundwasser, fruchtbare Böden werden oft unüberlegt unsinnigen Überbauungen geopfert und seltene Tierarten verschwinden aus unseren überdüngten Wiesen und Feldern. Der Bestand des Feldhasen beispielsweise, Symboltier einer nachhaltigen Landwirtschaft, ist im Kanton Aargau in nur 15 Jahren von 3’000 auf 1’000 Hasen zusammengebrochen – eine Abnahme von über 65%! Gross wäre der Aufschrei, wäre die Artenvielfalt ein Grossunternehmen – das Management wäre schon lange gefeuert worden.

Der Verfassungsartikel zur Ernährungssicherheit, über den wir am 24. September abstimmen, ist deshalb eine grosse Chance, ökologische Verbesserungen in der Landwirtschaft einzufordern und eine verstärkte marktwirtschaftliche Ausrichtung anzustreben.

Absage an Abschottung

Mehr Markt ist dringend nötig. Jeder Haushalt in der Schweiz subventioniert die Landwirtschaft pro Jahr mit 1700 Franken in Form von Steuern und künstlich verteuerten Lebensmittelpreisen. Auch die internationale Entwicklung spricht gegen die hartnäckige Abschottungsstrategie des Bauernverbands. Die Schweiz als exportabhängige Volkswirtschaft, und auch die Landwirtschaft mit ihrem Bedarf für Saatgut und Maschinen, ist auf gute Verhältnisse zu unseren Nachbarn und die Weiterentwicklung unserer Freihandelsabkommen mit wichtigen Partnerstaaten angewiesen. Die Vorlage vom 24. September verankert die Absage an Abschottung und sinnlose Intensivierung der Inlandproduktion in der Verfassung – ein wichtiger Schritt für die Weiterentwicklung unseres Handelsnetzwerks.

Verbraucher in der Pflicht

Doch auch wir als Verbraucher stehen in der Pflicht. In der Schweiz werden ein Drittel aller Nahrungsmittel weggeworfen – hauptsächlich durch uns Endkonsumentinnen und Endkonsumenten. Das sind 2.3 Millionen Tonnen pro Jahr, was einer durchgehenden Lastwagenkolonne von Zürich bis nach Schottland entspricht. In unserem liberalen Staat steht dabei die Eigenverantwortung im Vordergrund. Es ist aber Aufgabe des Staates, es den Bürgern so leicht wie möglich zu machen, ihre Verantwortung wahrzunehmen. Den ressourcenschonenden Umgang mit Nahrungsmitteln auf Verfassungsebene zu hieven, wie es der Gegenvorschlag zur Ernährungssicherheitsinitiative vorsieht, macht daher aus unserer Sicht absolut Sinn. Lösungsansätze sind vorhanden: Präzisere Produktkennzeichnungen, Sensibilisierungskampagnen oder die Aufnahme vom Thema Foodwaste in den Schulunterricht. Fast noch wichtiger als bessere Informationen und die Förderung des Bewusstseins für die Problematik ist in der Praxis der Abbau von unnötigen Hürden für privatwirtschaftliche und zivilgesellschaftliche Initiativen, die Foodwaste verringern. Examplarisch dafür stehen „Tischlein deck dich“ oder die „Ässbar“, die unverkaufte aber weiterhin gut nutzbare Ware verwerten. Auch starre Normierungsvorgaben oder überschiessende Hygienevorschriften sind mitverantwortlich für die immensen Mengen an Foodwaste. Schweizer Obst und Gemüse wie Äpfel und Salatgurken werden nach der Ernte häufig direkt weggeworfen, nur weil sie ein wenig zu krumm oder ein bisschen zu lang sind. Mit der Bekämpfung von Foodwaste als Verfassungsvorgabe lassen sich solche regulatorische Auswüchse effizienter und schneller bekämpfen.

Ein JA zur Ernährungssicherheitsvorlage ist ein JA zur Weiterentwicklung der Landwirtschafts- und Ernährungspolitik. Wir Jungen Grünliberalen kämpfen für die zukünftigen Generationen, damit auch sie von gesunden Äckern und Wiesen profitieren, damit wir weiterhin auf gute Handelsbeziehungen mit unseren Nachbarn bauen können, und damit die Lebensmittelindustrie im Interesse aller effizienter und nachhaltiger wird.

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